Wien, Donaustadt

Ich habe mich am Mittwochnachmittag mit einer Freundin an der Alten Donau bei der U2 Station Donaustadtbrücke zum Baden verabredet. Ich kannte die Stelle vorher nicht und war überrascht wie angenehm unbeschmutzt das Wasser dort war. Normalerweise stehe ich der Donau, was das Baden betrifft, immer etwas skeptisch gegenüber. Schließlich kann man ja nie wissen in welcher Zusammensetzung aus diversen Flüssigkeiten, Gemüsen, Lebe- und Sterbewesen sich der Wiener dem kühlen Nass hingibt. Bis auf eine gut gedeihende Algenkultur und einen einsamen Schwan namens Helga schien hier das Pritscheln aber ohne große Gefahren vonstattenzugehen.

 

Meine Freundin und ich breiteten uns auf einer freien Holzliege in Sonnenlage aus und begannen damit, unsere Haut mit etwas Sonnencreme zu rascher Pigmentproduktion anzuregen. Denn nichts ist schlimmer als die im Winter gut unter langen Hosen und Röcken versteckten, käsigen und – seien wir uns ehrlich – unrasierten Beine im Frühsommer der Allgemeinheit zu präsentieren.

Frau hat es da zu Beginn der warmen Jahreszeit wirklich nicht einfach. Hat sich jemand schon Mal gefragt, wie man am ersten sonnengepriesenen Tag Bräunungsgrad yummi haben kann? Und trotzdem gibt es immer wieder diese eine, die es auf mysteriöse Weise schafft und am ersten Kurze-Hosen-Temperatur Tag stolz ihre langen, Babypopo glatten, sonnengeküssten Beine präsentiert. Was dazu führt, dass ich zwei Stunden später im Freien liege und versuche Schadensbegrenzung an meinen eigenen Beinen zu betreiben.

 

Als wir uns schließlich der Sonne entgegenstreckten und sie mit aller Kraft in uns aufzusaugen versuchten, ging er vorbei. Mr. Body wie er im Buche steht.

Mit seinem durchtrainierten Körper und zusammengekniffenen Augen gab er sich in Eierschneiderhose zum Besten. In diesen Momenten stellt man sich nur eine Frage. Warum? Die meisten Männer unter 50 weigern sich ja schon das Modell Eierschneider als Schlüpfer zu tragen und Mr. Body war maximal 35 und eindeutig überzeugter Single. Warum sonst sollte er sein Gemächt in diesen bescheidenen Lebensraum verfrachten?

 

Während Mr. Body versuchte, seinen Gluteus Maximus, der eigentlich eher ein Minimus war, mehr oder weniger rhythmisch an- und abzuspannen, versuchten meine Freundin und ich, sowie einige andere Badegäste, uns nicht einmal das Lachen zu verkneifen. Das einzige was hier offensichtlich kniff, war die Badehose des jungen Eiweißgenießers. Wahrscheinlich war er hergekommen um sich den Fisch besonders frisch zu organisieren, um ihn dann gleich wieder bei ein paar geschwommenen Donaulängen zu verbrennen. Das würde auch erklären, warum er später nicht mehr auftauchte. Bestimmt wurde er an der Grenze zu Ungarn aufgehalten, weil er seinen Pass vergessen hatte. Selbst wenn er daran gedacht hätte, wäre in der Hose sowieso kein Platz gewesen. Oder er kam einfach nicht mehr gegen die Strömung an.

 

Eierschneiderleiche in der Donau. Mann ertrinkt nachdem Geschlecht schon lange erstickt war.

 

Mr. Bodys Tod konnte die ausgelassene Stimmung in Donaustadt aber nicht trüben. Durch lautes Gekreische machte nun eine Studentin auf sich aufmerksam, die in Begleitung von zwei männlichen Kommilitonen eine Showeinlage des neumodernen Turmspringens vorbereitet hatte. Die Teilnehmer durften scheinbar nur maximal ein Kleidungsstück tragen, da auch die Dame nur mit Höschen bekleidet war.

Ihr, mit Ausnahme der Brüste, bereits gebräunter Körper ließ darauf schließen, dass dies ihr erster Auftritt im Turmspringen war. Ihre weißen Brüste strahlten mit der Sonne um die Wette, wobei mir die etwas ungewöhnlich zipfelartige Form auffiel, die mich unwillkürlich an Carla Gallo als Daisy in Californication erinnerte. Die Vorstellung begann und die männlichen Teilnehmer starteten mit einfachen Köpflern und Kerzen. Dann kam Carla an die Reihe und legte nach einer gefühlten Ewigkeit des am Geländer Herumtänzelns mit einem schrillen Kreischer einen gekonnten Bauchplatscher hin. Tosender Applaus. Auch Helga schenkte ein anerkennendes Nicken. Damit war die Show jedoch nicht zu Ende.

Carla war auch überaus begabt im Ausdrucksgesang. Nachdem sie sich genügend Abstand von aufdringlichen Fans verschafft hatte und nun außer Reichweite ein Stück weit die Donau entlang geschwommen war, begann sie ihr Konzert mit einer mehrstimmigen Interpretation der gefühlvollen Ballade „AAAaaaah“, welche ursprünglich als Bonustracks auf Adeles Album „25“ erscheinen sollte. Leider scheiterte Adele aufgrund ihres zu geringen Tonumfangs an der Nummer und sie blieb unveröffentlicht.

Die Zuseher und –hörer in Donaustadt waren begeistert, die Turmspringer hielten ehrfürchtig Abstand. Carla gleitete graziös rücklings durch die Algenkultur, streckte ihre Zipfel in die Luft und sang sich die Seele aus dem Leib. Tränen in den ersten Reihen.


Aus der Reihe: Ich bin ein Mensch – Holt mich hier raus!

Haha witzig. Aber wahr.
Es gibt Situationen im Leben, da passt dieser hoch literarische Spruch einfach viel zu gut.
Wien – eine wunderbare Stadt in der ich allerlei – nennen wir sie „interessante“ – Erlebnisse habe, bei denen ich keinen anderen Ausweg sehe, als sie schriftlich festzuhalten und mich dabei traumhaft gut selbst zu unterhalten.

Falls ich euch mit der einen oder anderen Geschichte zum Lachen bringen kann, freut mich das natürlich sehr! Also viel Spaß beim Lesen!

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